„Gefährdet die aktuelle Personalsituation in KiTas den Bildungsauftrag?“

150 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet sind mit uns zusammen am 02.09. bei einem Web-Seminar dieser Frage nachgegangen! Diskutiert wurde die aktuelle angespannte KiTa-Personalsituation mit den Vertreterinnen des Bundesfamilienministeriums, des Bildungsministeriums in Rheinland-Pfalz, der komba Gewerkschaft und der Fachberatung in Sachsen-Anhalt. Unsere kürzlich veröffentlichten Daten aus dem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme und der HiSKiTa-Studie boten dafür den Anlass. Zentrale Ergebnisse wurden noch einmal zusammengefasst und verdeutlichen: Bildung in der KiTa ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen leider nicht selbstverständlich.

Der Dreiklang von Erziehung, Bildung und Betreuung ist als eigenständige Aufgabe der KiTa sowohl bundesgesetzlich als auch landesgesetzlich festgeschrieben. Die 16 Bildungsprogramme spezifizieren diesen Auftrag und geben einen Orientierungsrahmen – an Aufgaben und Verantwortung, die KiTas haben, mangelt es somit also nicht! Die Frage ist vielmehr, ob die notwendigen Rahmenbedingungen gegeben sind, die die Fachkräfte benötigen, um a) all die Aufgaben auch umsetzen zu können und b) der Verantwortung, die sie tagtäglich tragen, auch gerecht werden zu können.

Die Erkenntnisse aus dem aktuell veröffentlichten Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme und der qualitativen bundesweiten Fachkräfte-Studie HiSKiTa  verweisen auf eine KiTa-Praxis, in der die Fachkräfte oftmals an und über ihre Grenzen gehen, um den KiTa-Betrieb am Laufen zu halten. Mit hoher Fachlichkeit, großem Engagement und viel Herzblut begeben sie sich jeden Tag in ein Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit, bei dem die Bildungsarbeit oftmals den Kürzeren ziehen muss. Ist die Personalsituation angespannt – und das ist sie sehr oft – dann heißt es: Sicherstellung der Aufsichtspflicht hat Vorrang vor Bildungsaktivitäten.

Was dieser Zustand für den Bildungsort KiTa bedeutet, haben wir – das Team Frühkindliche Bildung  – mit Gästen aus den unterschiedlichen Systemebenen der FBBE diskutiert. Nachdem Kathrin Bock-Famulla, Senior Expert für Frühkindliche Bildung, Educational Governance und Bildungsfinanzierung, die Daten zum Ländermonitoring vorgestellt hat, fasste Prof. Dr. Julia Schütz von der FernUniversität in Hagen zentrale Befunde der HiSKiTa-Studie zusammen, die sie zusammen mit Dr. Stefan Klusemann und Dr. Lena Rosenkranz im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Gäste darum gebeten, die Studien- und Monitoringergebnisse zu kommentieren und ihre Perspektive vorzustellen. 150 Zuhörer:innen aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich an der Veranstaltung sehr engagiert mit Beiträgen im Chat beteiligt.

Wendy Scholz, Fachberaterin bei der Diakonie in Sachsen-Anhalt, schilderte ihre Erfahrungen aus der Praxis der Fachberatung, in der sie 160 KiTas begleitet. Nora Damme, Leitung des Referats „Ausbau der Kinderbetreuung, Bundesprogramme, Fachkräfte“ beim Bundesfamilienministerium stellte die aktuellen Initiativen und Vorhaben des Bundes vor. Xenia Roth, Referatsleitung zu Grundsatzfragen der Kinderbetreuung im Bildungsministerium von Rheinland-Pfalz, berichtete über Vorhaben der Fachkräftegewinnung in Rheinland-Pfalz. Sandra van Heemskerk positionierte sich als stellvertretende Bundesvorsitzende der komba Gewerkschaft zur Personalsituation in KiTas.

„Wenn Sie heute einen Wunsch frei hätten, um damit das frühkindliche Bildungssystem weiterzuentwickeln und insbesondere die Personalsituation in den KiTas zu verbessern, was würden Sie sich wünschen?“, wurden die Gäste abschließend von Anne Münchow gefragt, die das Web-Seminar moderierte. Ein bunter Strauß an unterschiedlichen Anliegen kam zutage: von dem Wunsch nach einer Kultur der Transparenz, um die aktuelle Situation ungeschönt zu benennen; dem Wunsch danach, die Arbeit des pädagogischen KiTa-Personals gesellschaftlich stärker anzuerkennen; dem Wunsch nach einer Verantwortungsgemeinschaft, die sich solidarisch zusammenschließt, um nicht einsam, sondern gemeinsam den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Bis hin zu dem Wunsch nach unbedingter Beachtung der Kinderrechte und einem Zugang zu ‚guter‘ frühkindlicher Bildung für alle Kinder in Deutschland, unabhängig ihres Wohnortes und der Lebenssituation.

Diesen Wünschen schließen wir uns sehr gerne an.



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