„Corona und KiTa: Wie können Kinderperspektiven in der jetzigen Zeit ausreichend bedacht werden?“

Nach wochenlangen Schließzeiten haben die KiTas größtenteils ihre Türen für alle Kinder wieder geöffnet. Doch anstatt in einen gewohnten KiTa-Alltag zurückzukehren, werden die Kinder mit vielen Veränderungen konfrontiert. Die Fragen der Kinder aufzugreifen und sich ihrer Sorgen, Verunsicherungen und Wünsche anzunehmen, ist in diesen Zeiten – neben der Sicherstellung aller Hygienemaßnahmen – auch Aufgabe von KiTa und darf nicht vernachlässigt werden. Wie es gelingen kann und was es braucht, um Kinderperspektiven stets – und das heißt auch in Krisenzeiten – zu achten und sie als gleichwertig anzuerkennen, diskutierten wir am 24. Juni in unserem zweiten Web-Seminar der Reihe „Die Corona-Krise als Brennglas. Zeit für ein Umdenken in der Familien-, Sozial- und Bildungspolitik“ des Programms Wirksame Bildungsinvestitionen.

@ Frank Springer

Zu Beginn stellte Iris Nentwig-Gesemann, Professorin für Allgemeine und Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt: Frühpädagogik an der Freien Universität Bozen, den 110 Teilnehmer*innen des Web-Seminars den Kinderperspektivenansatz vor. Diesen entwickelte sie mit ihrem Team in dem Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekt „Kinder als Akteure der Qualitätsentwicklung in KiTas“ im Rahmen des Projektes „Frühkindliche Bildung“. Der Ansatz geht weit über eine partizipative pädagogische Arbeit hinaus. So steht nicht im Fokus, Kinder beispielsweise bei Entscheidungsprozessen zu beteiligen, sondern dass Pädagog*innen sich öffnen, die Erfahrungen und Perspektiven von Kindern nachvollziehen und verstehen zu wollen. Ihre Sicht als gleichwertig anzuerkennen und nicht davon auszugehen, dass man selbst wüsste, was das Beste für sie wäre. Insbesondere in Krisenzeiten, in denen auch Erwachsene Ängste und Sorgen haben, ist es wichtig, eine solche Haltung zu wahren und die Perspektiven von Kindern nicht zu übergehen.

Den Blick aus der Praxis und Fachpolitik brachten die KiTa-Leiterin, Iris von Scheve, aus Berlin und die Fachberaterin, Anne Schultz Brummer, vom Alternativen Wohlfahrtsverband SOAL e.V aus Hamburg ein. Anne Schultz-Brummer, eine der 45 Mitglieder des Fachkräfte Forums aus dem Projekt FachkräfteZOOM, machte deutlich, dass die Perspektiven von Kindern in den letzten Monaten im Rahmen der Trägerarbeit unverkennbar in den Hintergrund gerückt wären und im politischen System kaum eine Bedeutung hätten. Ein Umdenken sei notwendig sowie eine stärkere Verankerung von Kinderperspektiven in KiTa-Gesetzen und Konzeptionen.

Iris von Scheve, eine der ersten im Rahmen des Projektes „Kinder als Akteure der Qualitätsentwicklung in KiTas“  ausgebildeten Fachkräfte für Kinderperspektiven, erläuterte, wie ihre Einrichtung aufgrund der durch Hygienemaßnahmen veränderten Rahmenbedingungen profitierten. Durch die kleineren Gruppen konnten Ressourcen besser genutzt und auf die Fragen, Wünsche und Sorgen der Kinder eingegangen werden. Gemeinsam mit den Kindern entstanden kreative Lösungen, wie beispielsweise die große Verabschiedung der baldigen Schulkinder umgeplant werden konnte.

Alle drei Gäste waren sich einig, dass es für eine konsequente Achtung von Kinderperspektiven deutlich mehr Zeit und damit eine bessere Ressourcenausstattung in den KiTas bedarf. Zudem sei es notwendig den angehenden Fachkräften bereits in der Ausbildung den Kinderperspektivenansatz zu vermitteln, damit es sich im professionellen Handeln der Fachkräfte fest verankert.

 



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