ElternZOOM – Wie beurteilen Eltern KiTa-Qualität? Ein Viertel der Eltern sieht Entwicklungspotenzial

Positive Impulse für die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern können KiTas nur dann entfalten, wenn auch entsprechende Rahmenbedingungen wie beispielsweise kindgerechte Personalschlüssel vorhanden sind, sowie die konkrete pädagogische Praxis eine entsprechend hohe Qualität aufweist. Studien zur KiTa-Qualität in Deutschland kommen insgesamt zu dem Ergebnis, dass mit Blick auf die strukturellen Rahmenbedingungen die Qualität der KiTas bundesweit sehr heterogen ist.

Bislang wurde die Forderung nach einheitlichen Personalschlüsseln vor allem auf der fachpolitischen Ebene durch die entsprechenden Akteure diskutiert und die Meinung der Eltern hierzu nicht systematisch erhoben. Es gibt wenig Erkenntnisse darüber, aufgrund welcher Aspekte sich Eltern für eine konkrete KiTa entscheiden.

Unsere zweite ElternZOOM-Befragung von 20181 liefert erste Ergebnisse der Einschätzung von Eltern zum Themenfeld KiTa-Qualität und der Auswahlkriterien einer Kindertageseinrichtung.

Welche Kriterien sind Eltern bei der KiTa-Platz-Suche wichtig?

Wie unsere Daten zeigen, lassen sich Eltern bei der Wahl einer KiTa sowohl von inhaltlichen, als auch von strukturellen Kriterien leiten. Dabei finden die Bedürfnisse der Kinder wie auch die der Erwachsenen gleichermaßen Berücksichtigung.
Richtungsweisende Such- und Entscheidungskriterien bei der Auswahl der KiTa sind für die befragten Eltern (N=10.491) ausreichende Bewegungsmöglichkeiten in der Einrichtung (96 Prozent), Sympathie für die Erzieherinnen und Erzieher (92 Prozent), adäquate KiTa-Öffnungszeiten (91 Prozent) sowie eine angemessene Wohnort- und Arbeitsplatznähe (91 Prozent). Als weitere wichtige Aspekte für die KiTa-Wahl werden die Fachkraft-Kind-Relation (91 Prozent), die Ausstattung (innen und außen) in der Einrichtung (89 Prozent), das pädagogische Konzept (88 Prozent), die Gruppengröße (86 Prozent) sowie das Verpflegungsangebot (85 Prozent) benannt.

Weniger wichtig bei der Auswahl einer KiTa ist den Eltern (N=10.491) hingegen die religiöse Ausrichtung der Einrichtung (79 Prozent finden sie nicht wichtig), sowie der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in der KiTa (78 Prozent von 10.491 Befragten sind dieser Meinung). Ferner finden 73 Prozent der Eltern, dass der KiTa-Träger kein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Einrichtung ist. Auch ist der Anteil der deutschsprachigen Kinder in der KiTa für die Eltern mit 66 Prozent irrelevant. Die beiden Aspekte Migrationshintergrund und Sprache stellen für die Eltern keine zentralen Auswahlkriterien dar, wobei die Sprache den Müttern und Vätern etwas weniger unwichtig ist, als der Migrationshintergrund.

Sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands sind diese Kriterien bei der KiTa-Auswahl allen Eltern gleich wichtig bzw. gleich unwichtig. Es können daher keine Ost-West-Unterschiede bezüglich der Relevanz der Wahlkriterien festgestellt werden. Die Eltern beurteilen die einzelnen Kriterien jedoch unterschiedlich, wie die nachfolgenden Daten zeigen. Diese Unterschiede in der Beurteilung sind auf die KiTa-Praxis vor Ort zurückzuführen.

Wie beurteilen Eltern die Qualität in ihrer aktuellen KiTa relativ zu anderen Einrichtungen?

Fast drei Viertel der Eltern, die sich zu unterschiedlichen KiTa-Qualitätsfeldern geäußert haben, finden, dass ihre Einrichtung ihrer Familie das beste Angebot gemacht hat.
Diese Ergebnisse sind erfreulich, jedoch auch ein Ansporn, sich weiter gemeinsam für bessere KiTa-Qualität einzusetzen. Zudem sind viele Eltern der Meinung, eine andere KiTa hätte ein besseres Angebot gehabt, als die von ihnen genutzte Einrichtung.
Die einzelnen Themenfelder wurden im Fragebogen zwar jeweils von unterschiedlich vielen Eltern beantwortet, so dass sich die Stichprobengröße von Aspekt zu Aspekt verändert, jedoch zeigt sich, dass jeweils ca. ein Viertel der Mütter und Väter bei den folgenden Feldern noch Entwicklungspotenzial in der Qualität sehen:

  • Themenfeld Öffnungszeiten: Von den 7.867 Eltern, die sich zu diesem Bereich geäußert haben, geben 27 Prozent an, dass eine andere KiTa ein besseres Angebot hinsichtlich der Öffnungszeiten gehabt hätte.
  • Themenfeld Betreuungskosten: 27 Prozent der Eltern, die sich zum Thema der Betreuungskosten geäußert haben (4.891 Personen), sind der Meinung, eine andere KiTa hätte ein besseres Angebot für sie gehabt.
  • Themenfeld Betreuungsübernahme: Zum Aspekt der flexiblen Betreuungsübernahme haben sich 5.843 Personen geäußert. Davon sind 25 Prozent der Meinung eine andere Einrichtung hätte ein besseres Angebot gehabt.
  • Themenfeld Förderung: 28 Prozent von 3.963 Eltern sind der Meinung, ihre Kinder hätten in einer anderen Einrichtung eine bessere Förderung (beispielsweise in den Bereichen Sprache, Musik, Natur, Technik oder Bewegung) erfahren.
  • Themenfeld Ausstattung: Zur Einrichtungsausstattung haben sich insgesamt 6.257 Eltern geäußert. Auch hier sind 27 Prozent der Meinung, in einer anderen KiTa ein besseres Angebot erhalten zu haben.
  • Themenfeld Fachkraft-Kind-Schlüssel: Von 4.627 Müttern und Vätern sind 25 Prozent der Meinung, der Fachkraft-Kind-Schlüssel wäre in einer anderen Einrichtung besser gewesen, als in ihrer eigenen.
  • Themenfeld Verpflegung: Auch Verpflegung in der KiTa ihrer Kinder ist für die Eltern ein wichtiges Themenfeld. Geäußert haben sich dazu 5.276 Personen, wovon 24 Prozent ankreuzen, das bessere Angebot hätte nicht ihre eigene Einrichtung gehabt.
Ausgewählte Daten im Ost-West-Vergleich

Wenn wir uns ausgewählte Daten differenziert nach den östlichen und westlichen Bundesländern anschauen, kann eine unterschiedliche Einschätzung der Eltern hinsichtlich der Personalausstattung, der Öffnungszeiten und der Flexibilität der Betreuungsübernahme hervorgehoben werden.

  • Themenfeld Personalausstattung2: In unserer Befragung haben wir die Eltern nach ihrer Einschätzung der Fachkraft-Kind-Relation gefragt. 78 Prozent der Eltern im Westen sind der Meinung, ihre KiTa habe das beste Angebot bezüglich der Fachkraft-Kind-Relation gehabt. Im Osten hingegen sind 67 Prozent der Eltern dieser Meinung.
    Im August 2018 haben wir die Daten des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme aktualisiert. Wir betrachten dort vor allem die Personalschlüssel und machen auf die unterschiedliche Situation in den Bundesländern aufmerksam. Die oben vorgestellte unterschiedliche Bewertung der Fachkraft-Kind-Relation durch Eltern im Osten und im Westen spiegelt sich auch in den rechnerischen Personalschlüsseln wider. Auch bei den Personalschlüsseln gibt es enorme Unterschiede im Ost-West-Vergleich sowie auf Bundeslandebene. Haben bundesweit 22 Prozent der Krippengruppen einen Personalschlüssel von 1 : 2,5 bis unter 1 : 3,5, trifft dies im Westen auf 33 Prozent der Einrichtungen zu, im Osten hingegen nur auf drei Prozent. Für die Kindergartengruppen setzt sich diese Ost-West-Differenz fort: einen Personalschlüssel von unter 1 : 7,0 weisen im Westen 16 Prozent der Einrichtungen aus, im Osten hingegen nur sechs Prozent. Bundesweit liegt bei 22 Prozent der Kindergartengruppen dieser Personalschlüssel vor.
  • Themenfeld Öffnungszeiten: 76 Prozent der Eltern im Osten sind mit den Öffnungszeiten in ihren KiTas zufrieden, wohingegen 73 Prozent der Eltern in Westdeutschland mit diesen zufrieden sind. Die aktuellen Zahlen des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme belegen, dass den Familien in Ostdeutschland deutlich längere Öffnungszeiten angeboten werden, als dies im Westen der Fall ist: die KiTas in Ostdeutschland öffnen ihre Türen früher und schließen sie später als im Westen. 79 Prozent der KiTas in Ostdeutschland öffnen vor 7:00 Uhr, wohingegen nur bei 5,3 Prozent der westdeutschen KiTas der Beginn der Öffnungszeiten vor 7:00 Uhr liegt. Schließen 90 Prozent der KiTas in Ostdeutschland zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr, trifft das im Westen mit 57 Prozent zu.
  • Themenfeld Betreuungsübernahme: Auch die Flexibilität der Betreuungsübernahme bezüglich der Bring- und Holzeiten wird von den Eltern in Ostdeutschland positiver bewertet als in Westdeutsch-land: 74 Prozent der Eltern im Westen und 80 Prozent im Osten sind der Meinung, dass ihre eigene Einrichtung das beste Angebot beim Betreuungsumfang hatte. Bereits 2016 zeigte sich im Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme , dass die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten nicht mit den elterlichen Wünschen zusammenpassen und dass Eltern sich ein bedarfsgerechteres Betreuungsangebot wünschen. Bei dem Ausbau eines bedarfsgerechten Betreuungsangebotes ist jedoch auch darauf zu achten, dass die Bedarfe der Eltern und die Bedürfnisse der Kinder bzw. das Kindeswohl miteinander in Einklang gebracht werden.
Zentrales Ergebnis aus ElternZOOM 2016: Bundesqualitätsstandards aus Elternsicht

Dass Eltern sich bundesweite Qualitätsstandards für die Bereiche pädagogisches Personal, Ausbildung und Verpflegung wünschen, haben sie uns bereits in der ElternZOOM-Studie 2016 mitgeteilt.
86 Prozent der Eltern waren 2016 der Meinung, notwendig sei eine einheitliche Regelung, für wie viele Kinder eine Erzieherin zuständig ist. Auch die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher war Eltern in dieser Befragung wichtig: 85 Prozent sprachen sich für bundesweit einheitliche Ausbildungsstandards für Erzieherinnen und Erzieher aus. Eine stärkere Beteiligung des Bundes an der KiTa-Finanzierung wünschten sich 2016 95 Prozent der befragten Eltern.

Die ElternZOOM-Ergebnisse von 2016 zeigen ferner auch, dass Eltern bundeseinheitlichen Standards im Rahmen der pädagogischen Arbeit ablehnend gegenüberstehen. Sie wünschen sich, dass KiTas die pädagogischen Grundprinzipien individuell am Bedarf der Kinder und Familien ausrichten können. Von der einzelnen KiTa erwarten die Eltern also ein pädagogisches Konzept, das sich an den individuellen Bedürfnissen der Kinder ausrichtet. Eine einheitliche Festlegung von pädagogischen Grundprinzipien für alle KiTas in Deutschland lehnen 78 Prozent der Eltern daher ab. Die Notwendigkeit eines eigenen Konzepts, das sich an Kindern, Familien und dem KiTa-Umfeld orientiert, gilt auch fachpolitisch als sinnvoll. Damit stärken Eltern die Eigenständigkeit der KiTas in pädagogischen Fragen.

Unsere Daten zeigen: den Eltern sind bundesweite Qualitätsstandards ein großes Anliegen!

Mehr zum Thema KiTa-Qualität aus Elternsicht erfahren Sie in Kürze. Wir stellen Ihnen regelmäßig einzelne Ergebnisse aus der ElternZOOM-Erhebung 2017 hier im Blog vor.
Weitere Informationen rund um das KiTa-System in Deutschland erhalten Sie unter www.laendermonitor.de.

 

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Fußnoten:

1. Die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht im Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme jährlich Daten und Fakten zur Situation der KiTas in allen Bundesländern. Seit 2016 führt Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine Elternbefragung („ElternZOOM“) durch, bei welcher die Meinung von Eltern rund um das Thema Kindertagesbetreuung eingeholt wird. Bei der Befragung von 2018 wurden Eltern mit KiTa-Kindern im Alter bis einschließlich 7 Jahren (10.491 Personen) befragt.

2. Für die Darstellung der Personalausstattung können zwei Methoden verwendet werden: die Berechnung des Personalschlüssels und die Berechnung der Fachkraft-Kind-Relation.
Mit dem Personalschlüssel wird die Zeitressource ausgewiesen, die der Fachkraft insgesamt zur Verfügung steht. Der Schlüssel beachtet die unmittelbare pädagogische Arbeit mit dem Kind, als auch Zeiten für Team- und Elterngespräche, Dokumentation, Vor- und Nachbereitung sowie Urlaub, Fortbildung und Krankheit. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt für die Krippengruppe einen Personalschlüssel von 1:3,0 – das bedeutet, dass drei Kinder im Alter von null bis unter drei Jahren von einer Fachkraft betreut werden. Für die klassische Kindergartengruppe, in der Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt betreut werden, liegt die Empfehlung bei einem Verhältnis von 1:7,5.
Der Personalschlüssel ist ein rechnerischer Wert, der nicht in der Praxis beobachtet werden kann. Die Realität der pädagogischen Praxis wird daher mit der Fachkraft-Kind-Relation dargestellt. Mit dieser Methode wird die unmittelbare pädagogische Arbeit der Fachkraft mit den Kindern ausgewiesen. Die Fachkraft-Kind-Relation bildet also rechnerisch das tatsächliche, unmittelbare Fachkraft-Kind-Verhältnis ab. Die Ländermonitor-Daten bilden anhand von drei Szenarien die Fachkraft-Kind-Relation in den 16 Bundesländern ab.
Eine detaillierte Erläuterung der Berechnung des Personalschlüssel sowie Informationen zur Fachkraft-Kind-Relation finden Sie in unserem Video und in diesem Blog-Beitrag .



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