Personalschlüssel ist nicht gleich Personalschlüssel: Wie wird dieses KiTa-Qualitätsmerkmal im Ländermonitoring berechnet?

Wie viele Kinder von einer Fachkraft in der KiTa betreut werden, stellt ein zentrales, vielfach diskutiertes Qualitätsmerkmal von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung dar. Die Tätigkeiten des KiTa-Personals umfassen jedoch nicht nur die Arbeit mit den Kindern, sondern ebenso Tätigkeiten wie Teamsitzungen, Elterngespräche, Vor- und Nachbereitungen sowie Ausfallzeiten, wie Urlaub, Fort-/Weiterbildung und Krankheit. Bedeutsam sind also die insgesamt zur Verfügung stehenden zeitlichen Personalressourcen. Und dies kann mit Hilfe des Personalschlüssels ausgedrückt werden.

Das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme berechnet den Personalschlüssel mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Diese Statistik stellt eine jährliche Vollerhebung aller KiTas in Deutschland dar. Sie wird von dem Statistischen Bundesamt erhoben. Bei der im Ländermonitoring angewendeten Berechnung des Personalschlüssels handelt es sich um ein anerkanntes methodisches Verfahren, das von verschiedenen Institutionen so angewendet wird, wie z.B. auch von dem Statistischen Bundesamt. Der Personalschlüssel ist also eine rechnerische Größe. Es wird die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit des Personals (ohne Leitung und Verwaltung) auf die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten der Kinder bezogen. Diese Zeiten müssen im Rahmen der Statistik von den KiTas in Stunden pro Woche angegeben werden. Bei der im Ländermonitoring angewendeten Methodik werden auf Seiten des Personals Vollzeitäquivalente gebildet (alle vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten werden aufsummiert und durch 39 geteilt). Auf Seiten der Kinder werden Ganztagsbetreuungsäquivalente gebildet (alle vertraglich vereinbarten Betreuungsstunden werden aufsummiert und durch 40 Wochenstunden geteilt). Diese beiden Äquivalente werden zueinander in Beziehung gesetzt. Ein Wert von 1 zu 3,2 bedeutet somit, dass rein rechnerisch 3,2 ganztags betreute Kinder von einer vollzeitbeschäftigten Fachkraft betreut werden. Es geht also dabei nicht um die absolute – tatsächlich betreute – Anzahl der Kinder pro Fachkraft. Das Verfahren wird für alle Bundesländer und Kreise gleich angewendet.

Der Personalschlüssel wird für einzelne Gruppentypen berechnet, z.B. für Krippen- oder Kindergartengruppen. Die Zuordnung von Gruppen in KiTas zu einem bestimmten Gruppentyp wird nicht von den Einrichtungen selbst vorgenommen, sondern erfolgt im Rahmen der eigenen Auswertung der amtlichen Daten. Gruppen, in denen mindestens ein Kind mit einer Eingliederungshilfe betreut wird, werden bei der Analyse nicht berücksichtigt. Im Ländermonitoring wird der Personalschlüssel pro Gruppentyp stets als Median je Bundesland oder Kreis ausgewiesen. Dieser Durchschnittswert drückt aus, dass genau die Hälfte der Werte oberhalb und die andere Hälfte der Werte unterhalb des Medians liegen.

Einen weiteren Einblick in die Methodik erhalten Sie in unserem Erklärvideo:

 

Der Personalschlüssel ist demnach ein rechnerischer Wert, der so in der Realität der pädagogischen Arbeit nicht beobachtet werden kann. Der Personalschlüssel stellt nämlich nicht die Fachkraft-Kind-Relation dar. Wie eingangs bereits erwähnt, benötigen Erzieherinnen mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung sowie Urlaub und Krankheit. Je nach Umfang dieser Tätigkeiten und Ausfallzeiten ergibt sich eine Annäherung an die Fachkraft-Kind-Relation in der Gruppe – also die von Erzieherinnen oder Eltern vor Ort erlebte Wirklichkeit. Leider gibt es für die Mehrzahl aller Bundesländer keine Angaben darüber, wie sich die Arbeitszeit der pädagogischen Fachkräfte auf die zuvor beschriebenen Aufgaben in der Realität verteilt. Das Ländermonitoring arbeitet daher mit verschiedenen Szenarien für die Fachkraft-Kind-Relationen (s. nachfolgende Grafik). Diese Fachkraft-Kind-Relation kann in der einzelnen KiTa noch ungünstiger sein, wenn diese besonders lange Öffnungszeiten hat. Der von uns berechnete und ausgewiesene Personalschlüssel kann somit zwar in der KiTa vorliegen, er ist aber grundsätzlich nicht direkt beobachtbar, weil der Personalschlüssel als rechnerisches Konstrukt eben mehr umfasst als die Fachkraft-Kind-Relation.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass Personalschlüssel nicht gleich Personalschlüssel bedeuten muss. Denn je nach angewendeter Methodik, fällt der errechnete Personalschlüssel in KiTas unterschiedlich aus und die im Ländermonitoring angewendete Methodik stellt eine Art der Berechnung dar. Zudem gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche landesrechtliche Regelungen, die den Personalschlüssel anders definieren bzw. eine ganz andere Personalbemessung in ihren KiTas ansetzen. Auch mit diesen landesrechtlichen Regelungen ist der Personalschlüssel, wie er im Ländermonitoring berechnet wird, nicht direkt zu vergleichen.

Der Personalschlüssel wurde insbesondere dafür entwickelt, die verfügbaren Personalressourcen von KiTas zwischen den Bundesländern und Kreisen zu vergleichen. Dies ermöglicht aber wie bereits geschildert nicht, dass die Personalsituation in der pädagogischen Praxis abgebildet werden kann. Die Berechnungen des Personalschlüssels im Ländermonitorings verdeutlichen schon seit langem, dass es große regionale Unterschiede beim Personalschlüssel zwischen den Bundesländern gibt: Zum 01.03.2016 betreute beispielsweise in Sachsen eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft 6,5 ganztags betreute Krippenkinder, in Baden-Württemberg lag der Personalschlüssel bei 1 zu 3,0. In diesem Jahr wurde die amtliche Statistik im Ländermonitoring erstmalig auch auf Kreis- und Jugendamtsbezirksebene ausgewertet. Es zeigt sich, dass es auch innerhalb der Bundesländer große regionale Unterschiede gibt: So kommen in einigen Gebieten Brandenburgs knapp dreimal so viele Krippenkinder auf eine Fachkraft wie in bestimmten Kreisen Baden-Württembergs (weitere regionale Ergebnisse finden Sie hier: https://www.laendermonitor.de/de/kita-qualitaet-steigt/).

Diese großen regionalen Unterschiede werfen zahlreiche Fragen auf, die es nun zukünftig mit den unterschiedlichen FBBE-Akteuren vor Ort zu klären gilt, wie z.B.:

  • Welche Art der landesrechtlichen Regelungen führt zu großen regionalen Unterschieden?
  • Sind diese Differenzen Ergebnis einer gezielten Steuerung durch Landesregelungen zur Personalausstattung oder zeigen sich hier unbeabsichtigte Steuerungseffekte?
  • Warum schneiden manche Kreise so gut und manche so schlecht ab? Was sind das für Kreise?
  • Bieten die Kreise mit einem besseren Personalschlüssel auch bei anderen KiTa-Merkmalen eine hohe Qualität, wie zum Beispiel bei der Ausstattung der KiTas mit genügend Zeit für die Führung und Leitung? …

Diese Fragen gilt es zu beantworten, denn es kann nicht sein, dass die Bildungschancen von unseren Kindern von ihrem Wohnort abhängen. Das Ländermonitoring empfiehlt daher bundesweit einheitliche Qualitätsstandards: Zur Gewährleistung eines kindgerechten Betreuungsverhältnisses empfiehlt das Ländermonitoring auf der Basis internationaler Studien, dass in einer reinen Krippengruppe drei Kinder im Alter von null bis unter drei Jahren von einer Fachkraft betreut werden sollen, also ein Verhältnis von 1:3. Die Empfehlung für die klassische Kindergartengruppe, also in einer Gruppe in der ab dreijährige Kinder bis zum Schuleintritt betreut werden, liegt bei 1:7,5. Von diesen Empfehlungen sind einige Bundesländer noch weit entfernt. Die Entwicklung der Personalschlüssel wird das Ländermonitoring weiterhin beobachten und darüber berichten. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Diskussionen. Vielleicht haben Sie ja einen hilfreichen Hinweis für uns, warum es zu diesen großen regionalen Unterschieden in Deutschland kommt.



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