KiTa-Leitungskräfte stärken: Zeit – eine zentrale Voraussetzung für „gute“ KiTa-Qualität

Es scheint fast banal, zu schreiben, dass für die Leitung einer KiTa und die Führung eines pädagogischen Teams Zeit notwendig ist; schließlich geht auch niemand davon aus, dass der Chef eines Betriebes all seine Führungstätigkeiten nebenbei erledigt und den überwiegenden Teil seiner Arbeitszeit im „normalen“ Alltagsgeschäft mitarbeitet. Was für die meisten Leitungskräfte kaum vorstellbar wäre, ist für einen Großteil der KiTa-Leiterinnen und Leiter in Deutschland allerdings die Realität.

So zeigt sich mit Auswertung der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (KJH-Statistik), dass 13 % aller KiTas bundesweit über keine vertraglich vereinbarten Zeitressourcen für den Arbeitsbereich der Leitung verfügen. Fakt ist allerdings, dass in jeder KiTa Führungs- und Leitungstätigkeiten anfallen, für die selbstverständlich Zeitressourcen benötigt werden. Sind diese zu gering bzw. gar nicht vorhanden, kann darunter die Qualität der Einrichtung leiden. Hinzu kommt, dass es sowohl zwischen als auch innerhalb der Bundesländer erhebliche Unterschiede hinsichtlich der zeitlichen Leitungsausstattung gibt.

Doch wie kann es zu dieser Situation kommen? Liegt es an dem mangelnden Bewusstsein darüber, dass Leitungskräfte durch ihr professionelles Leitungshandeln einen entscheidenden Beitrag für die Qualität einer KiTa leisten? So zeigen selbst internationale Studien, dass die KiTa-Qualität durch eine professionelle Leitungsausübung gefördert werden kann. Für ein solches Handeln sind ausreichende Zeitressourcen allerdings eine zentrale Voraussetzung.

Wirft man nun einen Blick in das SGB VIII § 47 zeigt sich, dass zwar für jede KiTa eine Fachkraft für die Funktion der Leitung zu bestimmen ist, aber keine einheitliche Regelung besteht, dass zeitliche Leitungsressourcen zu gewähren sind. Auch auf gesetzlicher Landesebene regeln lediglich Niedersachsen, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Saarland, Sachsen und Thüringen die Bemessung zeitlicher Leitungsressourcen. Die gesetzliche Verankerung der Gewährung von Zeitressourcen für den Arbeitsbereich der KiTa-Leitung stellt allerdings für die Professionalisierung dieses Berufsbildes einen notwendigen Schritt dar.

Insbesondere für den momentan stattfindenden Qualitätsausbau, ist es beinahe naiv zu glauben, dass Leitungskräfte hierbei keine Schlüsselfunktion einnehmen und sie ihre Aufgaben in diesem Prozess einfach „nebenbei“ erledigen können. Die Gewinnung und Bindung neuer Fachkräfte, die Stärkung der zunehmenden multiprofessionellen und heterogenen (Qualifikationsniveau, Alter etc.) Teams, die Einführung neuer Evaluationsinstrumente zur Qualitätsentwicklung und -sicherung sind alles Herausforderungen für die Einrichtungen, die nicht allein vom Träger und den pädagogischen Fachkräften bewältigt werden können. Hierfür braucht es Leitungskräfte oder -teams vor Ort, die die bevorstehenden Veränderungs- sowie Entwicklungsprozesse gemeinsam mit ihren Teams gestalten und begleitend reflektieren – und genau diese Prozesse benötigen Zeit.

Insbesondere an einer Schnittstelle sind die kontinuierlich stattfindenden Kommunikationsprozesse im Berufsalltag der Leitungskräfte besonders bedeutsam; und zwar an der zwischen der pädagogischen Praxis vor Ort und den steigenden Erwartungen und Aufgaben, die von außen durch Politik, Gesellschaft, Wissenschaft etc. an die Arbeit in den KiTas herangetragen werden. So ist es die Aufgabe der Leitungskräfte, die Anforderungen von „außen“ nach „innen“ zu übersetzen und die aktive Mitarbeit ihrer Fachkräfte an den bevorstehenden Veränderungsprozessen zu fördern. Die Identifikation der Fachkräfte mit den Entwicklungsprozessen ist unglaublich wichtig, da diese lediglich in enger Kooperation aller Beteiligten gelingen können. Leitungskräfte sind somit Impulsgeber, Moderatoren, fachliche Begleiter und Vermittler. Sie gestalten fortwährend Interaktionsprozesse und schaffen Rahmenbedingungen, die eigenverantwortliches Handeln der Fachkräfte fördern.

Um in diesem Sinne professionell handeln zu können, bedarf es einerseits Leitungskräfte, die sich dieser Rolle und Verantwortung annehmen und andererseits ein System, das die notwendigen Arbeitsbedingungen bereitstellt; und ausreichende Zeitressourcen stellen eine zentrale Rahmenbedingung für professionelles Leitungshandeln dar.

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt, aufgrund der besonderen Bedeutung einer professionellen Leitungsausübung für die KiTa-Qualität und der bundesweit momentan sehr unterschiedlichen zeitlichen Leitungsausstattung, eine einheitliche Bemessung der Personalressourcen für den Arbeitsbereich der KiTa-Leitung. Damit sollen die Arbeitsbedingungen der Leitungskräfte bundesweit angeglichen und verbessert werden, um letztlich allen Kindern unabhängig von ihrem Wohnort vergleichbare Bildungschancen zu ermöglichen.

In nur drei Minuten zeigt Ihnen unser Erklärvideo, wie viele Zeitressourcen wir für den Arbeitsbereich der KiTa-Leitung empfehlen. Was unsere Empfehlung von anderen Bemessungsmodellen unterscheidet, erfahren Sie in unserem nächsten Blogbeitrag aus der Schwerpunktreihe KiTa-Leitung.



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