Was ist das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme?

Einen gesicherten und einfachen Zugang zu „guter“ Kindertagesbetreuung für jedes Kind zu gewährleisten, ist eine der zentralen politischen Herausforderungen in Deutschland. Denn trotz der gewaltigen bisherigen Anstrengungen besteht bundesweit weiterhin ein enormer – quantitativer wie qualitativer – Ausbaubedarf.

Seit 2008 beobachtet das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung den Status quo und die Entwicklungstrends der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in allen 16 Bundesländern. Das Monitoring bietet eine kontinuierliche und verlässliche Bildungsberichterstattung. Es besteht aus dem Online-Portal, dem Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme (www.laendermonitor.de), sowie der alle zwei Jahre erscheinenden Veröffentlichung Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme.

Im Online-Portal Ländermonitor werden jährlich Daten und Fakten rund um die FBBE auf Ebene der 16 Bundesländer veröffentlicht. Im Fokus steht der Bundesländervergleich. Mit der nun zehnten Veröffentlichung wird erneut eine Zeitreihe fortgesetzt, die mithilfe verschiedenster Indikatoren rund um die Themenbereiche „Teilhabe sichern“, „Investitionen wirkungsvoll einsetzen“ und „Bildung fördern – Qualität sichern“ Entwicklungsverläufe in der FBBE sichtbar macht. Mit einem neuen Konzept und Design sowie vielen zusätzlichen Funktionen bietet Ihnen das Online-Portal viele Nutzungsmöglichkeiten.

Der Länderreport bietet alle zwei Jahre identisch strukturierte Bundesländerprofile zum jeweiligen FBBE-System: Sie zeigen die Stärken wie auch die Entwicklungsbedarfe der KiTas und der Kindertagespflege des einzelnen Systems. Mit dem nun veröffentlichten sechsten Länderreport präsentiert sich die länderbezogene Bildungsberichterstattung mit einem weiterentwickelten Konzept sowie einem neuen grafischen „Kleid“ für eine bessere Nutzerfreundlichkeit. Nach wie vor ermöglicht ein umfassender Tabellenanhang auch Vergleiche auf der Ebene der Bundesländer. Dieses Fachwissen bietet der Politik, Ministerien, Trägerverbänden, der Wissenschaft sowie der breiten Fachöffentlichkeit Transparenz, steuerungsrelevante Informationen sowie Impulse für die Weiterentwicklung der 16 FBBE-Systeme.

Datenbasis des Ländermonitors und Länderreports ist vorrangig die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik, die jährlich diverse Merkmale aller KiTas und Kindertagespflegestellen in Deutschland erfasst. Eine weitere Datenquelle sind die Ergebnisse einer regelmäßigen Befragung aller für die Kindertagesbetreuung zuständigen Länderministerien durch die Bertelsmann Stiftung.

Die Ergebnisse des diesjährigen Monitorings zeigen, dass die Quantität und auch die Qualität der KiTas tendenziell gestiegen sind. Ungeachtet dessen sind auch nach zehn Jahren Ausbau die Bildungschancen der Kinder weiterhin in hohem Maße von ihrem Wohnort abhängig. Die seit 2017 im Ländermonitoring zusätzlich angebotene datenbasierte Berichterstattung über die Situation der Kindertagesbetreuung in den Kreisen und kreisfreien Städten belegt eindrücklich den hohen Handlungsbedarf, wenn es darum geht, eine verlässliche KiTa-Qualität in ganz Deutschland zu schaffen. Bund, Länder, Kommunen, Träger und auch Eltern müssen ihre gemeinsamen Anstrengungen fortsetzen, um diese Herausforderungen zu bewältigen, so dass jedes Kind in Deutschland faire Bildungschancen erhält.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und viel Spaß beim Informieren und Stöbern auf unserem Online-Portal und im Länderreport!



Kommentare

  1. / von Holger Warning

    Sehr geehrte Frau Strunz, ich hätte eine Anmerkung bzw. Anfrage. Als Fachberater in Bayern im Bereich Kita sind mir nur eine Hand voll Einrichtungen bekannt, die einen Anstellungs/-Personalschlüssel fahren, der besser ist als 1:9. Die allermeisten liegen etwa bei 1:10 , sehr viele noch darunter. Ich frage mich daher, wie der bayernweite Durchschnitt von 1:8,7 zustande kommt, der von Ihnen publiziert wurde. In Bayern werden zur Errechnung des Anstellungsschlüssels üblicherweise alle gebuchten Betreuungsstunden durch die Anzahl der gesamten Personalstunden dividiert – was in meinen Augen Sinn macht. Das Modell der Bertelsmannstiftung rechnet Ganztagsbetreuungsäquivalente dividiert durch Vollzeitstellen (https://www.youtube.com/watch?v=0AYlIuJd_rY), was m.E. zu einer, wenn auch leichten, Verzerrung führt (in einem Beispiel. 10,45, statt 10,71). Dazu noch eine Frage: in Bayern buchen die Eltern nicht (wie zum Teil in anderen Bundesländern) eine klare Stundenzahl (etwa 4 Stunden), sondern einen zeitlichen Korridor (Beispiel 4 bis 5 Stunden). Welcher Wert wurde bei Berechnung der Buchungsstunden für Bayern jeweils verwendet? Der untere (im Beispiel 4), der Mittelwert (im Beispiel 4,5) oder der obere (im Beispiel 5)? Das wäre eine wichtige Information zur Erklärung der Zahlen, da die mathematischen Ergebnisse stark voneinander abweichen. Zur Verdeutlichung: in einem konkreten Beispiel mit 75 Elementarkindern (je 25 Kinder in der Kategorie 4-5, 5-6 und 6-7 Stunden) und 210 Personalwochenstunden erhalte ich nach Division Buchungsstunden durch Personalstunden einen Schlüssel von 10,71. Nach Berechnung mit Ganztagsbetreuungsäquivalenten und Vollzeitstellen unter Zugrundelegung des oberen Wertes (im Beispiel 5) wie schon beschrieben einen Schlüssel von 10,45; bei Zugrundelegung des Mittelwertes (4,5) einen Schlüssel von 9,58 und bei Zugrundelegung des unteren Wertes einen Schlüssel von 8,71. Ich frage mich also, ob die Art der Berechnung der Grund für meinen Eindruck ist, dass die veröffentlichten Zahlen zum Personalschlüssel von den Verhältnissen in den mir bekannten Einrichtungen in Bayern stark abweichen. Über eine Antwort würde ich mich freuen. Mit bestem Dank im Voraus und freundlichen Grüßen aus Nürnberg, Holger Warning – Evangelischer KITA-Verband Bayern

  2. / von estrunz

    Sehr geehrter Herr Warning,
    zunächst vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse an unseren Ergebnissen. Gerne möchte ich Ihre Anfrage beantworten:

    Wie Sie bereits selbst angemerkt haben, fällt je nach Methodik der errechnete Personalschlüssel in KiTas unterschiedlich aus. Der Anstellungsschlüssel in Bayern, wie Sie Ihn beschreiben, wird anders berechnet wie wir den Personalschlüssel berechnen. So berechnen wir den Personalschlüssel mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Diese Statistik stellt eine jährliche Vollerhebung aller KiTas in Deutschland dar. Bei der Berechnung des Personalschlüssels wie wir es handhaben, handelt es sich um ein anerkanntes methodisches Verfahren, das von verschiedenen Institutionen so angewendet wird, wie z.B. von dem Statistischen Bundesamt.

    Es wird die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit des Personals auf die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten der Kinder bezogen. So werden auf Seiten des Personals Vollzeitäquivalente gebildet (alle vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten werden aufsummiert und durch 39 geteilt). Auf Seiten der Kinder werden Ganztagsbetreuungsäquivalente gebildet (alle vertraglich vereinbarten Betreuungsstunden aufsummiert und durch 40 Wochenstunden geteilt). Diese beiden Äquivalente werden zueinander in Beziehung gesetzt. Eine ausführliche Darstellung dieser Methodik finden Sie in unserem Erklärvideo: https://www.youtube.com/watch?v=0AYlIuJd_rY

    Auf diese Weise errechnet sich der Medianwert von 1 zu 8,7 in Kindergartengruppen in Bayern. Dieses Verfahren wird für alle Bundesländer gleich angewendet, und somit auch für Bayern. Wir berechnen den Personalschlüssel also auf Basis der konkreten vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten, die im Rahmen der Statistik für die betreuten Kinder stundengenau von den KiTas selbst angegeben werden. Da uns die Einzeldaten dieser Statistik aus Datenschutzgründen seitens des Statistischen Bundesamtes nicht freigegeben werden, wissen wir nicht genau, welche Werte in der Statistik für Bayern von den KiTas konkret angegeben wurden, also für ihr Beispiel 4 oder 5 Stunden bei einem zeitlichen Korridor von 4 bis 5 Stunden.

    Die von uns verwendete Methodik ermöglicht einen Vergleich der verfügbaren Personalressourcen in Relation zu den Kindern in einem Bundesland, in einem Kreis usw. und zwar unabhängig von den jeweiligen landesrechtlichen Regelungen. Nach unserer Erfahrung ist es allerdings nicht möglich den nach unserer Methodik berechneten Personalschlüssel unmittelbar mit den Werten, die sich aus anderen Verfahren ergeben, zu vergleichen.

    Beim Personalschlüssel ist zu berücksichtigen, dass dieser Wert nicht die Fachkraft-Kind-Relation darstellt. Erzieherinnen benötigen mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung sowie Urlaub und Krankheit. Je nach Umfang dieser Tätigkeiten und Ausfallzeiten ergibt sich die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation in der Gruppe. Leider gibt es für die Mehrzahl aller Bundesländer keine Angaben darüber, wie sich die Arbeitszeit der pädagogischen Fachkräfte auf die zuvor beschriebenen Aufgaben in der Realität verteilt. Diese Fachkraft-Kind-Relation kann in der einzelnen KiTa noch ungünstiger sein, wenn diese besonders lange Öffnungszeiten hat. Der von uns berechnete und ausgewiesene Personalschlüssel kann also auf Grund der genannten Gründe von der tatsächlichen Situation in der KiTa abweichen, was Ihrem Eindruck gleich kommen mag.

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen das Verfahren etwas näher erläutern. Bei weiteren Fragen können Sie mich gerne erneut kontaktieren. Wir werden demnächst auch einen ausführlichen Blog-Beitrag zum Personalschlüssel veröffentlichen. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterhin folgen und diesen Beitrag lesen werden.

    Mit besten Grüßen,
    Eva Strunz

    1. / von Holger Warning
      zu

      Sehr geehrte Frau Strunz,
      vielen Dank für die ausführliche und schnelle Antwort. Ich habe mir nunmehr die Statistikbögen des Bayerischen Landesamtes für Statistik angesehen. Dort ist die „4 bis 5-Stunden-Problematik“ leider nicht berücksichtigt. Formal korrekt wird nach der vertraglich vereinbarten Betreuungszeit gefragt. In einer Beispielzeile sind dann unglücklicherweise 3,5 Stunden angegeben. Unglücklich, weil solche Buchungen mit halben Stunden so gut wie nie vorkommen und dieses Beispiel möglicherweise den Ausfüllenden nahelegt, bei einer Buchung „3-4 Stunden“ einen Mittelwert zu bilden (eben 3,5). In aller Regel wird die überwiegende Zahl von Eltern, die einen Platz 3-4 Stunden gebucht haben, diesen auch ausnutzen und Ihr nicht regelmäßig deutlich früher abholen. In den Erläuterungen zu den Statistikbögen ist leider kein Hinweis für die Ausfüllenden zu dieser Frage zu finden. Es erscheint mir deshalb zumindest sehr wahrscheinlich und naheliegend, dass viele Ausfüllenden den Bogen falsch ausfüllen und unbeabsichtigt die tatsächliche Betreuungszeit nach unten „korrigieren“. Das wiederum hätte zur Folge, dass das Ergebnis verfälscht wird und der Personalschlüssel besser erscheint, als er ist. Zumindest aber sind nicht unerhebliche Unschärfen zu erwarten, wenn nicht klar ist, wer die Fragen wie beantwortet.Ich werde mich in dieser Frage an das Landesamt für Statistik wenden und eine Anpassung des Fragebogens anregen. Nochmals danke und freundliche Grüße
      Holger Warning

      1. / von estrunz
        zu

        Sehr geehrter Herr Warning,
        vielen Dank für Ihren interessanten Hinweis zu dem Beispiel im Fragebogen des Landes Bayern. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Anliegen an das Statistische Landesamt.
        Beste Grüße, Eva Strunz

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